Wie handwerkliche Kompetenz kleine Wunder wirken kann

Kabarettist und Leistungssportler Rainer Schmidt bereichert Gesellen-Abschlussfeier der KH Steinfurt-Warendorf

Handwerkliches Geschick kann ein ganzes Leben verändern. Diese Botschaft bekamen 365 just zu Gesellen ernannte junge Menschen am Donnerstagnachmittag in der Stadthalle Rheine mit auf den Weg. Auf Einladung der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf berichtete dort der evangelische Theologe, Kabarettist und Leistungssportler Rainer Schmidt über sein Leben mit Handicap. Und er erläuterte, wie handwerkliche Kompetenz für ihn wahre Wunder bewirkt hat. Einige hundert Gäste – die Absolventen, deren Eltern und Freunde, Vertreter der Ausbildungsbetriebe sowie Ehrengäste aus Handwerk, Politik und Gesellschaft – erlebten im kurzweiligen Programm der Abschlussfeier anlässlich der Gesellenprüfung im Handwerk im Kreis Steinfurt traurige und fröhliche, nachdenklich stimmende und vor allem ermutigende Momente. Musikalisch untermalt wurde die Feierstande von der Band „Fine Time“.  

Es war ein handwerklich begabter Mensch, der Rainer Schmidt in dessen Kindertagen eine Konstruktion bastelte, die es dem ohne Arme zur Welt gekommenen Jungen ermöglichte, Tischtennis zu spielen. „Ich bin innerlich plötzlich ganz groß geworden“, schaute der Festredner zurück. Er wurde später Leistungssportler, Goldmedaillengewinner bei den Paralympics, wurde Nummer Eins der Weltrangliste – und erlebte auch Tiefen. Der studierte Theologe arbeitet heute als Dozent am Pädagogisch-Theologischen Institut Bonn und tritt als Kabarettist auf. „Wer seine Kompetenz in den Dienst des Nächsten stellt, vollbringt eine besondere Leistung“, versicherte er den frisch gekürten Gesellinnen und Gesellen aus 18 Handwerksberufen. Dass er einmal vor großem Publikum Reden halten werde, hätten seine Eltern bei seiner Geburt sicher nicht geglaubt, räumte er ein.  

Anhand zahlreicher Beispiele aus seinem eigenen Leben erläuterte Rainer Schmidt, was das eigene Vorankommen begünstigt. Dazu gehörten das Vertrauen in sich selbst, das durch das Vertrauen anderer Menschen in die eigene Person bestärkt werde. Das habe der Referent beim Lenkdrachen-Fliegen mit einer Freundin gelernt. Autorität, die auf positive Zuwendung, echte Kompetenz und der Fähigkeit, sein Handeln zu begründen, beruht, ermögliche gerade im Handwerk gute Erfolge. Doch bei allem Leistungswillen gelte es auch, Krisen im Leben hinzunehmen. Als er eine sicher geglaubte Goldmedaille verfehlte, habe ihn der Zuspruch seiner Freunde aufgebaut. „Sie sagten: ,Du bist mehr als die Summe deiner Leistungen.' Das gilt für mich – und für andere ebenso.“  

Kreishandwerksmeisterin Erika Wahlbrink hob den Wert einer betrieblichen Ausbildung gegenüber einer rein akademischen Laufbahn hervor und appellierte an Politik und Gesellschaft, die Gleichwertigkeit von schulischen und akademischen Bildungsabschlüssen auch in den Köpfen zu vollziehen. „Mit dieser Ausbildung haben Sie, liebe Gesellinnen und Gesellen, nicht nur eine gute Zukunft, sondern Sie geben mit Ihrer fundierten Berufsausbildung auch der Region eine Zukunft“, sagte Erika Wahlbrink.  

Im Namen der Absolventen verglich der Metallbauer Lukas Ventker die zurückliegende Lehrzeit mit einer Reise, die sich gelohnt habe. Er ermunterte seine Mitstreiter, sich neue Ziele im Leben zu setzen. Dazu wünschte er Kraft, Mut, Spaß und Glück: „Das Glück nämlich, das zu mögen, was man muss, und das zu dürfen, was man mag.“ Den guten Wünschen für die jungen Handwerker schlossen sich der stellvertretende Landrat Bernhard Hembrock, Rheines Bürgermeister, Dr. Peter Lüttmann, sowie  Kreisdechant Markus Dördelmann an.  

Bevor alle Absolventen ihre Gesellenbriefe in Empfang nahmen, zeichneten Kreishandwerksmeisterin Erika Wahlbrink und KH-Hauptgeschäftsführer Frank Tischner die Prüfungsbesten aus. Sie hatten ihre Gesellenprüfung mit mindestens 87 Prozent der Höchstpunktzahl bestanden.

Die Prüfungsbesten:
Neun Absolventen haben in ihrer Abschlussprüfung 87 Prozent und mehr der Höchstpunktzahl erreicht. Ausgezeichnet wurden: Elektroniker: Lars Wehrmeyer, Wasser- und Schifffahrtsamt Rheine; Feinwerkmechaniker: Daniel Hermeler, MBH Maschinenbau & Blechtechnik GmbH, Ibbenbüren; Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk, Fleischerei: Regina Koppel und Minoo Mirzababaee, beide Kiwall und Schürmann GmbH & Co.OHG, Altenberge, Sarah Faber, K+K Klaas & Kock B.V. & Co.KG, Metelen; Kraftfahrzeugmechatroniker: Nils Berkemeier, Berkemeier GmbH, Steinfurt; Metallbauer: Lukas Ventker, BOS GmbH, Emsdetten; Zimmerer: Felix Schrameyer, Alfons Schrameyer GmbH, Ibbenbüren; Zweiradmechaniker: Ann-Kathrin Roskamp, 2-Rad-Center Schröder GmbH, Rheine

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Gestenreich und mitreißend schilderte der Theologe, Kabarettist und ehemalige Leistungssportler Rainer Schmidt, wie er sein Leben trotz Handicap meistert – und was andere Menschen davon lernen können.
Rainer Schmidt kam den Menschen in der Stadthalle Rheine entgegen - unter anderem auch Kreisdechant Markus Dördelmann, dem stellvertretenden Landrat des Kreises Steinfurt Bernhard Hembrock und Dr. Peter Lüttmann, Bürgermeister von Rheine, die jeweils ein Grußwort zu den neuen Gesellen sprachen, sowie Gastgeberin Kreishandwerksmeisterin Erika Wahlbrink (v.l.)
Kreishandwerksmeisterin Erika Wahlbrink (l.), Festredner Rainer Schmidt (2.v.l.) und KH-Hauptgeschäftsführer Frank Tischner (r.) zeichneten die Prüfungsbesten aus.