Mehr Wertschätzung für die Meisterprüfung

Trotz der seit 2004 verringerten Zahl an Handwerksberufen, für die die Meisterprüfung bei der Selbständigkeit verpflichtend ist, blieb die Zahl der abgelegten Meisterprüfungen bundesweit nahezu konstant. Dies sei, so Tischner, ein deutliches Zeichen dafür, dass die Meisterprüfung – unabhängig von einer geplanten Selbständigkeit – weiterhin im Handwerk ein hohes Ansehen als Qualifikation genieße. Von der Landespolitik könne man dies noch nicht behaupten, so der KH-Hauptgeschäftsführer. Astrid Birkhahn kritisierte hier die finanzielle Ungleichbehandlung von Meisterschülern, deren Abschluss immerhin durch den Deutschen Qualifikationsrahmen mit dem eines Bachelor-Studienganges gleichgestellt wird, gegenüber Studierenden. „Den Studenten stehen ja nicht nur komplett durch Steuergelder finanzierte Bildungseinrichtungen zur Verfügung, sie müssen auch keine Studienbeiträge mehr bezahlen. Der Besuch der Meisterlehrgänge hingegen wird trotz Meister-Bafög größtenteils privat finanziert. Und da sind die vielen Stunden Freizeit, die man für den Besuch der berufsbegleitenden Lehrgänge investiert, noch nicht mit eingerechnet“, so die CDU-Landespolitikerin, die sich als Mitglied des Ausschusses Schule und Weiterbildung für mehr Anerkennung beruflicher Qualifikationswege einsetzt. Das von der Landesregierung gesetzte Ziel von einem 50%igen Anteil des Abiturs bei den Schulabschlüssen geht für sie an der Realität vorbei. „Wir brauchen auch anderes Wissen und Können, um die Zukunft zu gestalten“, meint Astrid Birkhahn.

Im Kreis Warendorf hat man dies nach Einschätzung von Frank Tischner schon lange erkannt. Er lobte die hier auf vielen Ebenen gut funktionierende Netzwerkarbeit. Seine Kritik an dem geplanten neuen Übergangssystem Schule – Beruf in NRW traf beim Kreispolitiker Karl-Wilhelm Hild auf offene Ohren. „Ohne Kenntnis der regionalen Strukturen werden in Düsseldorf Entscheidungen getroffen, die unsere bisherige erfolgreiche Zusammenarbeit zunichtemacht“, kritisiert er das Vorhaben, Schüler neben den regulären Schulpraktika auch für zwei Tage zur Berufsfelderkundung in die Betriebe zu senden. „Das stellt für viele gerade kleinere Handwerksbetriebe eine Überlastung dar. Nicht davon zu reden, wie viel Nutzen dies den Jugendlichen bringen soll.“ Einigkeit bestand bei den Vertretern des Handwerks und der Politik darüber, dass die im Kreis Warendorf gelungene Identifikation der Haupt- und Realschulen mit dem Handwerk auch bei den neuen Sekundar- und Gesamtschulen erreicht werden soll.

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