Handwerk muss in den Städten sichtbar bleiben

Ein Spaziergang durch die Innenstädte während des Corona-Lockdowns hat gezeigt, dass oftmals nur Bäcker, Konditoren, Fleischer und zeitweise auch die Friseure für ein wenig Belebung sorgten. Doch wohin geht die Entwicklung der Innenstädte und wie entwickeln sich die Standortbedingungen der lokalen Wirtschaft nach der Pandemie?

Diese Fragen erörterte der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Bernhard Daldrup, auch Obmann für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen der SPD-Bundestagsfraktion, mit Kreishandwerksmeister Heinz-Bernd Lohmann und Hauptgeschäftsführer Frank Tischner von der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf (KH).

„Handwerk muss als modernes und zukunftsweisendes Gewerbe weiterhin in Städten und Gemeinden sichtbar bleiben“, darin waren sich die Vertreter der KH und der Politiker einig. „Innerörtliche, kundennahe Standorte müssen durch langfristige Handwerksflächenplanung und handwerksgerechte Genehmigungspraxis gesichert werden“, forderte Heinz-Bernd Lohmann. „Die Wirtschaftsförderungspolitik muss hier eng mit der Stadtentwicklungspolitik zusammenarbeiten und neue verträgliche Formen der Integration von serviceorientierten Handwerksbetrieben in bebauten Ortsteilen weiterentwickeln“, so der Kreishandwerksmeister.

Bernhard Daldrup betonte die Bedeutung des ortsnahen Handwerks in ländlich strukturierten Regionen wie dem Kreis Warendorf für die Versorgung der Bevölkerung, aber auch für die Sicherung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Auch beim klimaschonenden und nachhaltigen Umbau der Energiesysteme und des Gebäudebestandes sei man auf die Kompetenzen des Handwerks vor Ort angewiesen. Die aktuellen Modernisierungsmaßnahmen beim Bildungscenter der KH in Beckum, die unter anderem auch vom Bund gefördert werden, wertet Daldrup als Bekenntnis für das Handwerk und seine Ausbildungsleistung in der Region und als wichtigen Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs.

KH-Hauptgeschäftsführer Frank Tischner mahnte bei der Politik auf allen Ebenen den Abbau von bürokratischen Hemmnissen für das Handwerk an und verwies dabei auf die aktuelle Kampagne der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf gegen Überreglementierung und einem Zuviel an Bürokratie, die die Entwicklung der kleinen und mittleren Unternehmen behindern. Dabei erkennt er wohl den Willen zur Verbesserung an. „Allein an der Umsetzung mangelt es“, so Tischner.

Er stimmte aber mit Daldrup überein, dass ein Fehlen von Regulierung ebenso Missstände verursache, wie es gerade bei explodierenden Preisen für Bauholz und anderen Rohstoffen zu beobachten sei. „Die gute Entwicklung im Bauhauptgewerbe und in den Ausbauhandwerken der letzten Jahre wird bei einer länger andauernden Mängelwirtschaft wohl spürbar gestoppt“, so der Kreishandwerksmeister. Nach seiner Einschätzung geht dies zu Lasten der Betriebe, aber auch der Bauherren und allen, die im Kreis Warendorf geeigneten Wohnraum suchen.

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Handwerk muss sichtbar bleiben. Mit dem Neubau des Bildungscenters in Beckum wird ein Zeichen für die Ausbildungsleistung des Handwerks im Kreis Warendorf gesetzt. V.l.n.r.: KH-Hauptgeschäftsführer Frank Tischner, SPD-Bundestagsabgeordneter Bernhard Daldrup, Kreishandwerksmeister Heinz-Bernd Lohmann.