Das Besondere des Hauses ist aber weniger die zukünftige Nutzung als seine Entstehungsgeschichte. „Es ist ein hervorragendes Beispiel des projektbasierten Lernens“, macht Tischner als Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Steinfurt Warendorf deutlich. Denn anders als in der traditionellen Handwerksausbildung, die in Südafrika sehr theoretisch und verschult stattfindet, haben Auszubildende beim Projekt „Thusanang House“ selber Hand angelegt und das Haus unter der Anleitung ihrer lokalen Ausbilder und von Kurzzeitexperten aus Mitgliedsbetrieben der Kreishandwerkerschaft, wie z.B. von Jonas Schliekmann von der Firma Arning Bau oder dem selbständigen Dachdeckermeister Christian Kelker komplett alleine fertiggestellt.
Die Theorie in der Praxis umsetzen und wertvolle Erfahrungen im Berufsalltag sammeln: Das sind in Deutschland wichtige Bestandteile der dualen Berufsausbildung (nicht nur) im Handwerk. In vielen anderen Ländern sieht das anders aus und das Erlernen eines Berufes geht sehr theoretisch vonstatten. „Hier versuchen wir bei unseren Berufsbildungspartnerschaften, welche zu 100% vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert werden, die positiven Erfahrungen aus der dualen Ausbildung aus Deutschland weiterzugeben und Verbindungen zu schaffen zwischen Ausbildungsstätten sowie der Privatwirtschaft und etablierten Berufsverbänden“, unterstreicht Tischner. Auch deshalb passe der Name „Thusanang House“, der auf Setswana „einander helfen“ bedeutet. Und so waren auch die mitwirkenden Auszubildenden bei der Eröffnungsfeier begeistert und stolz auf das, was in den vergangenen Monaten gemeinsam geschaffen worden ist: „Ich habe so viel gelernt wie nie zuvor und das Wichtigste, ich konnte meine Leidenschaft zeigen“, bilanzierte die angehende SHK-Gesellin Gugu Masilela. Auch das zukunftsweisend: Rund 80 Prozent der am Projekt beteiligten Azubis waren weiblich. Die neue Ausbildungswerkstatt ist übrigens auf dem Campus „Botshabelo“, der in einem der größten Townships Südafrikas liegt, beheimatet. „Wir geben den Menschen mit diesem Haus mehr als nur ein paar aufeinandergesetzte Steine, wir geben Ihnen die Möglichkeit für eine Ausbildung, und somit für eine Zukunft“, so Tischner.
Schon seit 2015 engagiert sich die Kreishandwerkerschaft Steinfurt Warendorf mit Berufsbildungspartnerschaften in Südafrika. Ein Engagement, für das es im Rahmen der Eröffnungsfeier in Bloemfontein viel Lob gab. „Wir haben noch nie Menschen in der Zusammenarbeit getroffen, die so viel Leidenschaft und Professionalität, aber auch Pragmatismus mitbringen, wie die Kreishandwerkerschaft“, so Sam Zungu, Deputy Direktor General aus dem südafrikanischen Bildungsministerium (DHET). Wenn eine Zusammenarbeit in Südafrika erfolgreich ist, dann die mit der Kreishandwerkerschaft“, so Schulleiterin Prof. Dipiloane Phutsisi.
Lobende Worte, die Frank Tischner und das gesamte Team naturgemäß freuten. „So ein Feedback ist Ansporn, die Zusammenarbeit noch weiter zu intensivieren. Neben der Berufsbildungspartnerschaft werden wir zusammen mit unseren Mitgliedsbetrieben schon 2028 ersten Jugendlichen die Chance bieten, eine handwerkliche Berufsausbildung in der Region zu beginnen.“
Teil der Reise waren neben der feierlichen Eröffnung der Ausbildungswerkstatt auch Gespräche mit der Privatwirtschaft in der Region, die im Rahmen der Berufsbildungspartnerschaft Azubis aus dem TVET-College in den Betrieben aufnimmt, auch zwei Workshops mit 30 Jugendlichen, die sich für eine Ausbildung in Deutschland interessieren. Schon jetzt lernten Jugendliche die deutsche Sprache und man hat über die Inhalte der Ausbildung, über die Rahmenbedingungen aber auch das kulturelle Leben in Deutschland gesprochen. „Somit war es eine sehr erfolgreiche, aber auch sehr intensive Woche, die aber einmal mehr zeigt, dass das Handwerk die Menschen in den Fokus stellt, regional, national und auch international“, so Hauptgeschäftsführer Frank Tischner.
„Bildung ist die mächtigste Waffe, um die Welt zu verändern“, hat Nelson Mandela als ehemaliger Präsident Südafrikas in vielen seiner Reden formuliert. Wenn das regionale Handwerk und das Ehren- und Hauptamt der Kreishandwerkerschaft hierbei unterstützen kann, dann ist das eine Tatsache, auf die das Gesamthandwerk in der Region stolz sein kann.