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15.01.2015

Digitales Zeitalter erfordert ein „Handwerk 4.0“

KH-Hauptgeschäftsführer Frank Tischner: Neue Lebens- und Arbeitswelt birgt Chancen und Herausforderungen


KH-Hauptgeschäftsführer Frank Tischner ist überzeugt: Handwerksbetriebe, die sich den Anforderungen des digitalen Zeitalters stellen, können sich gut im Markt positionieren.

Die veränderten Arbeits- und Lebensgewohnheiten im digitalen Zeitalter stellen die Handwerksunternehmen der hiesigen Region vor spannende  Herausforderungen. Faktoren wie Echtzeit-Kommunikation und Konsum via Smartphone, eine zunehmende Vernetzung von Mensch und Maschinen und eine immer schnelllebigere Wirtschaftswelt beeinflussen auch die Arbeitswelt in den hiesigen Handwerksunternehmen. „Wer sich diesen Veränderungen stellt, anstatt sie zu bekämpfen, für den eröffnen sich neue Markt-Chancen. Gleichzeitig macht derjenige das Handwerk für die Jugend und gut ausgebildete Fachkräfte interessant“, ist Frank Tischner, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf (KH), überzeugt.  

Er appelliert an die Politik, für die entsprechende digitale Infrastruktur bei der Breitbandverkabelung gerade im ländlichen Raum zu sorgen. Aber auch die Inhaber von handwerklichen Betrieben werden sich in der Zukunft den Herausforderungen des digitalen Zeitalters stellen müssen. „Die Unternehmen müssen sich jetzt positionieren und ihre Stärken einbringen. Wir brauchen heute ein Handwerk 4.0“, sagt Tischner. Gemeinhin stehe das Handwerk für eine Kombination aus Tradition und Moderne. Der Wertigkeit des Handwerks und seiner Produkte stehe eine zunehmende Schnelllebigkeit entgegen. Tischner: „Das Handwerk muss seinen Platz finden zwischen dem Beständigen und Werthaltigen auf der einen Seite und einer schwungvollen technologischen Welt auf der anderen Seite.“ Das erfordere zum Beispiel, dass sich Handwerksunternehmen die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters zunutze machen.   Dabei stehen die Chancen der Handwerksunternehmen nicht schlecht, ist der KH-Hauptgeschäftsführer überzeugt. Beispiel Konsumgüterhandwerk: Bäcker, Konditoren und Fleischer sehen sich einerseits einem enormen Preis- und Sortimentsdruck durch Discounter gegenüber. Andererseits könnten sie im täglichen Einerlei durch die Qualität und Individualität ihrer Produkte überzeugen. Beispiel technisches Handwerk: „Es gibt immer Dinge, die Maschinen nicht können. Außerdem ist das Handwerk gefragt bei Spezialanfertigungen, zum Beispiel in der Medizin- oder Orthopädie-Technik. Tischner: „Ohnehin beobachten wir auf allen Produktionsebenen einen Trend zur Individualisierung.“ In der Praxis müsse zum Beispiel die Industrie häufig auf Speziallösungen aus dem Handwerk zurückgreifen. Dabei müssten sich die Zulieferer-Betriebe aus dem Handwerk den veränderten Gegebenheiten der Industrie anpassen. „Die Industrie mit ihrer Taktung treibt diese Betriebe vor sich her. Das erfordert ein hohes Maß an Flexibilität in den Unternehmen.“  

Doch auch von Verbrauchern und der Politik fordert der KH-Hauptgeschäftsführer ein Umdenken. „Wenn Verbraucher nur auf billig und kurzlebig setzen, wird es schwierig“, sagt Tischner. Provokant mahnt er an, dass es nicht sein könne, dass Kunden für Katzenfutter im Supermarkt mehr bezahlten als für Hackfleisch im Fleischer-Fachgeschäft. Von der Bundes- und Europapolitik wünscht er sich Rückhalt vor allem beim Erhalt des Meisterbriefes. „Das ist nicht nur ein handwerkliches Thema, sondern auch ein volkswirtschaftliches“, ist Tischner überzeugt. Mit ihrer qualifizierten Ausbildung, ihrem betriebswirtschaftlichen Wissen und ihrer Leistung in Ausbildung und Ehrenamt seien die Meister im Handwerk eine wichtige Stütze des deutschen Mittelstands.  

Auch für die Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf sieht Tischner neue Herausforderungen: „Wir müssen mit den Betrieben, mit den Innungen sprechen und sie über Marktveränderungen informieren. Wir müssen mit Verbrauchern in Kontakt treten. Und wir müssen der Politik klar machen, dass das Handwerk besser ist als die sogenannten Heuschrecken, die sich kurzfristig bereichern möchten. Denn das Handwerk arbeitet nachhaltig für die Region und die dort lebenden Menschen.“

Zum Thema: Handwerk 4.0  
Seit einiger Zeit ist das Schlagwort „Industrie 4.0“ in den Fokus von Wirtschaft und Gesellschaft gerückt. Fachleute verstehen darunter die massive Vernetzung von Mechanik, Elektronik und Daten, also eine vernetzte Produktion. Vertreter anderer Wirtschaftszweige fordern dazu auf, die Begrifflichkeit auf „Wirtschaft 4.0“ abzuändern, da das digitale Zeitalter mit seinen Begleiterscheinungen die gesamte Wirtschaft verändert. Auch das Handwerk meldet sich in dieser Debatte zu Wort. Denn gewandelte Arbeits- und Lebensgewohnheiten verändern auch die Arbeitswelt im Handwerk und erfordern ebenso ein Handwerk 4.0.


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